
Mythos 1: Wärmepumpen können nur in Neubauten eingesetzt werden, nicht in Bestandsgebäuden
Für Neubauten ist die Wärmepumpe zwischenzeitlich Standard, doch lohnt sich eine Wärmepumpe auch in Bestandsbauten?
Die Frage lässt sich eindeutig mit Ja beantworten. Auch in Bestandsgebäuden können Wärmepumpen effizient und damit kostengünstig und klimaschonend betrieben werden. Das ist durch zahlreiche
Studien belegt.
Schauen wir uns z.B. unsere Nachbarn in
Europa an: insbesondere in Skandinavien
ist die Wärmepumpe als Heizungssystem
auf dem Vormarsch.

Mythos 2: Vor dem Einbau einer Wärmepumpe muss das Gebäude
komplett energetisch saniert werden
Grundsätzlich ist es immer gut, den Heizenergiebedarf eines Gebäudes durch geeignete Maßnahmen
zu senken. Das schont den Geldbeutel und ist gut für die Umwelt. Eine Komplettsanierung
vor dem Einbau einer Wärmepumpe ist in der Regel aber nicht notwendig.
Auch einzelne Maßnahmen wie der ohnehin anstehende Austausch älterer Fenster oder der
Haustür sowie Dämmung des Dachbodens (Stichwort Kaltdach) könnten den Wärmeverlust
des Gebäudes spürbar senken.
Mythos 3: Wärmepumpen funktionieren nur zusammen mit einer Fußbodenheizung
Mythos 3: Wärmepumpen funktionieren nur zusammen mit einer Fußbodenheizung
Wärmepumpen arbeiten am effizientesten mit niedrigen Vorlauftemperaturen zwischen 35
und 55°C. Um diese Temperaturen zu erreichen, sollten die Heizflächen möglichst groß sein.
Eine Fußbodenheizung muss aber nicht nachtäglich eingebaut werden. Meist genügt es, die bestehenden
Heizkörper gegen modernere Radiatoren mit größerer Oberfläche auszutauschen.
Es gilt: Je größer die Oberfläche der Heizkörper, desto geringer die benötigte Temperatur für
den Betrieb der Heizungsanlage. Eine Überprüfung der Heizungsanlage kann sogar ergeben,
dass die vorhandenen Heizkörper unverändert genutzt werden können.
Mythos 4: Wärmepumpen funktionieren nicht bei sehr niedrigen Außentemperaturen
Je niedriger die Außentemperatur, umso mehr Energie ist nötig ein Haus zu heizen. Dies gilt
grundsätzlich für alle Heizungsarten. Aber arbeitet eine Wärmepumpe auch bei sehr niedrigen
Außentemperaturen noch effizient? Moderne Luft-Wasser Wärmepumpen erzeugen
selbst bei Minustemperaturen aus dem eingesetzten Strom das 2 bis 3-fache an Wärme.
Denn selbst eine Umgebungsluft von -5°C oder -10°C enthält immer noch genügend nutzbare
Energie für den Betrieb der Wärmepumpe.

Doch wie oft kommen solche niedrigen Temperaturen überhaupt vor? In den letzten 10 Jahren gab es in unserer Region
im Schnitt weniger als 5 Tage im Jahr mit einer mittleren Temperatur unter -3,5°C. Im größten Teil der Heizperiode sind es
Temperaturen knapp über 0°C, also in Bereichen in denen eine Wärmepumpe sehr effizient arbeitet. Das bedeutet also: Über
die Wärmepumpe gibt es im Winter bei Frostgraden genauso zuverlässig Raumwärme und Warmwasser
Und: Manche Wärmepumpen können im Sommer das Haus auch kühlen.
Mythos 5: Wärmepumpen brauchen sehr viel Strom
Wärmepumpen werden mit Strom betrieben. Dabei wird aus 1 kWh Strom, abhängig von der
Außentemperatur und weiteren Faktoren, über das Jahr gesehen etwa 3 bis 4 kWh Wärme
erzeugt. Mit der Wärmepumpe steigt die Stromrechnung, dafür entfallen aber die Kosten für
Kaminfeger, laufende Wartung und natürlich die Kosten für fossile Brennstoffe wie Gas und
Heizöl, die in Zukunft deutlich teurer werden.
Die CO2-Einsparung einer Wärmepumpe gegenüber einer Ölheizung liegen bei 80% bis 90%
bzw. gegenüber einer Gasheizung bei bis zu 80%.
Doch woher kommt der
Strom für die Wärmepumpe?
Im Jahr 2024 lag der Anteil regenerativer Energie- erzeugung in Deutschland bei knapp 60%, Tendenz weiter steigend. Dabei ergänzen sich Strom aus Photovoltaik und Windkraft.

In der Übergangszeit wird die Wärmepumpe mit PV-Strom und im Winter mit Strom aus Windkraft betrieben.
Ideale Ergänzung zur Wärmepumpe ist die PV-Anlage auf dem Dach. Gerade in der Übergangszeit
kann die Wärmepumpe mit dem eigenen PV-Strom günstig und emissionsfrei betrieben
werden.
Wie funktioniert eine Wärmepumpe?
Eine Wärmepumpe funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein
Kühlschrank – nur umgekehrt.
Während ein Kühlschrank dem Innenraum Wärme entzieht, entzieht eine Wärmepumpe der Umwelt
Energie, entweder aus der Außenluft (Luft-Wasser Wärmepumpen) oder
aus dem Erdreich und erhitzt damit den Kühlmittelkreislauf der Wärmepumpe.

Das erhitzte Kühlmittel gibt dann seine Energie an das Wasser im Heiz- und Brauchwasserkreislauf ab. Für diesen Vorgang benötigt die Wärmepumpe Strom. Aus 1 KWh
Strom erzeugt eine Wärmepumpe zwischen 3 und 4 kWh Wärme.
Wärmepumpen haben also eine Effizienz von 300 bis 400%. Ein modernes Gas-Brennwertgeräte
schafft max. 98%.
Quickcheck Vorlauftemperatur
Sehr oft sind gerade in älteren Häusern die bestehenden Heizungsanlagen überdimensioniert
und die Vorlauftemperatur ist deutlich zu hoch eingestellt. Sofern möglich, senken
Sie an kalten Wintertagen die Vorlauftemperatur der Heizung auf 50°C und stellen
gleichzeitig die Heizkörperthermostate auf die höchste Stufe.
Bleibt das Haus warm, kann das Gebäude ohne weiteres mit einer Heizung mit niedrigerer
Vorlauftemperatur beheizt werden. Wärmepumpen sind bei niedrigeren Vorlauftemperaturen
nochmal deutlich effizienter.
Quickcheck Wärmebedarf
Kennen Sie ihren durchschnittlichen Öl- oder Gasverbrauch im Jahr? Dann können Sie
mit wenigen Schritten ihren aktuellen Wärmebedarf (in kWh) und auch den erwarteten
Strombedarf für Heizung und Warmwasser grob abschätzen.
Wenn Sie eine Ölheizung haben:
Ein Liter Heizöl hat in etwa 9,8 kWh Energie. Davon werden aber nur ca. 70 bis 80%, je
nach Alter der Heizungsanlage, genutzt. Der Rest geht durch den Schornstein und bleibt
im Heizungskeller.
(Jährliche Heizölmenge in Liter x 9,8 kWh/Liter) x 75% =
Wärmemenge für Heizung (und Warmwasser) pro Jahr
Um diese Wärmemenge zu erzeugen benötigt eine Wärmepumpe weniger als 1/3
davon als Strom.
Wärmemenge für Heizung und Warmwasser/3,5 =
Strombedarf der Wärmepumpe pro Jahr in kWh
Beispiel:
Berechnung für 2.000 Liter Heizöl im Jahr und eine 25 Jahre alte Ölheizung:
(2.000 Liter x 9,8 kWh/Liter) x 75% = 14.700 kWh Wärmemenge für Heizung und Warmwasser.
Erwarteter Strombedarf für den Betrieb der Wärmepumpe im Jahr: 14.700 kWh/3,5 = 4.200 kWh



